2009 erfolgte die erste Anwendung mit der Geburtsstunde des Bitcoin (BTC), doch die Blockchain-Technologie bietet noch viel mehr. Ein großer Profiteur kann die Finanzindustrie seinallerdings einhergehend mit großen Veränderungen. 

Revolutionäre oder disruptive Technologie? Oder einfach eine Mine, um Krypto-Währungen zu schürfen? Die Blockchain trug bereits viele Bezeichnungen. Die Deutsche Bank zieht sogar den Vergleich mit dem Internet der frühen 90er. Damals piepste und pfiff das Modem noch ziemlich, nur die wenigsten hatten überhaupt einen Internetzugang. Heute sind Google, Facebook oder Amazon alltäglich geworden und nicht mehr wegzudenken. Wird die Blockchain sich ähnlich rasant entwickelnViele glauben daran – nicht nur die Deutsche Bank.  

Blockchain ist längst kein „Nerd“-Thema mehr. Neben den ganz großen Namen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft war beim Weltwirtschaftsforum in Davos auch das Who-is-Who aus der Krypto-Sphäre vertreten, wenn auch nicht auf der ganz großen Bühne. Unter Leitung des Industrieverbands „Global Blockchain Business Council“ (GBBC) versammelten sich CEOs von Branchengrößen wie IBM bis Microsoft, um sich zu Themen wie Tokenisierung, digitale Identitäten und Internet of Things (IoT) auszutauschen. Ein Signal, gilt doch Davos als Seismograph ökonomischer Entwicklungen. 

Blockchain revolutioniert die Finanzindustrie

Die Erfolgsgeschichte beginnt gerade erst. Doch was ist die Blockchain überhaupt? Diese neue disruptive Technologie ermöglicht ein globales Register, das Besitzverhältnisse unmissverständlich zuordnet und mit dessen Hilfe Werte bei Bedarf sekundenschnell transferiert werden können. Und dies nicht manipulierbar, auf Millionen Computern dezentral organisiert und ohne Zwischeninstanzen wie Staaten oder Banken. Blockchain ermöglicht branchenübergreifend die Digitalisierung von Informationen und somit die Automatisierung von Arbeitsabläufen, sagt Philipp Schulz vom Blockchain-Investment-Manager Invao. „Das wird nicht nur die Finanzindustrie revolutionieren, sondern auch die Logistik, Medizin, Verwaltung – eigentlich alle Branchen.“ Das World Economic Forum prognostiziert, dass im Jahr 2027 zehn Prozent der weltweiten Wertschöpfung über Blockchain-Technologie abgewickelt werden. 

Schulz ist überzeugt, dass Blockchain eine der zentralen Herausforderungen der Digitalisierung löst: „Bislang konnten Informationen, die in digitaler Form dargestellt werden, ohne großen Aufwand gefälscht oder geändert werden“, sagt er. Genau da komme die Datenbank-Technologie Blockchain ins Spiel. „Der Unterschied zu herkömmlichen Datenbanken besteht darin, dass Informationen, nachdem sie einmal abgespeichert wurden, nicht mehr verändert, gelöscht oder kopiert werden können. Sie können also ein Eigentumsrecht an einem Haus oder Wertpapier in Form eines digitalen Tokens darstellen, ohne dass Dritte diese Informationen abändern können.“ Neben dem bereits heute vorhandenen „Internet der Informationen“ soll die Blockchain das „Internet der Werte“ schaffen. „Nicht nur für das Finanz-Business wären die Folgen fundamental, die Idee eines dezentralen, unveränderbaren Datenregisters könnte ganze Unternehmenslandschaft auf den Kopf stellen – der Effekt wäre mit der Einführung der Doppelten Buchführung vor über 500 Jahren vergleichbar“, sind die Experten der Unternehmensberatung Deloitte überzeugt.  

Die neue Technologie ermöglicht enorme Effizienzsteigerungen

Und die Blockchain erhöht die Effizienz in vielen Unternehmen. Ein Trend, den auch die Kapitalmärkte zusehends erkennen. Interessant für Investoren seien vor allem Aktien von Unternehmen, die in hohem Maße von Digitalisierung und Automatisierung profitieren können, sagt Schulz. Wo heute die Effizienz von Arbeitsprozessen durch Bürokratie, manuelle Arbeitsabläufe, mangelnde Transparenz und hohe Vermittlungsgebühren beeinträchtigt werde, könne Blockchain-Technologie in den nächsten Jahren zu enormen Effizienzsteigerungen führen. 

Für Schulz ist die Finanzindustrie ein Paradebeispiel dafür, wie disruptiv Blockchain sein kann. Die meisten Finanzdienstleistungen würden heute in zentralisierten Systemen angeboten. „Wer einen Kredit oder ein Währungskonto braucht, kommt an der Bank nicht vorbei; um Aktien zu kaufen, muss man meist über eine Börse oder einen Broker gehen. Jedesmal fallen Gebühren an“, so Schulz. „In einem Blockchain-System sind Mittelsleute wie die Bank, die Börse und der Broker überflüssig. Stattdessen stellt das öffentliche Blockchain-Netzwerk die nötige Infrastruktur und Sicherheitsmechanismen bereit.“ Ein anderes Beispiel seien dezentralisierte Kreditvergabe-Protokolle. „Dabei hinterlegen Sparer Krypto-Währungen oder andere digitale Assets in einem digitalen Wallet und Kreditnehmer können sich diese Assets dann gegen die Zahlung eines Zinssatzes leihen“, erklärt der Invao-Experte. „Smart Contracts automatisieren die Transaktion, inklusive der Zins-und Tilgungszahlungen. Da keine Bank benötigt wird, sind die Kosten für den Kreditnehmer geringer und der Kreditgeber erwirtschaftet eine höhere Rendite. MakerDAO, Dharma und BlockFi sind heute die bekanntesten Projekte in diesem Bereich.“  

Eindeutige Nachfrage nach digitaler Währung

Noch sind die bekanntesten Anwendungen aber die Krypto-Währungen. Der Bitcoin wurde vor gut zehn Jahren in scharfer Abgrenzung zur Finanzindustrie aufgelegt. Doch von Abgrenzung kann heute keine Rede mehr sein: Selbst Christine Lagarde, neue Chefin der Europäischen Zentralbank und damit Hüterin über den Euro, schließt eine digitale Währung nicht mehr aus. Mit Blick auf die Entwicklung der Kryptowelt sei man besser einen Schritt voraus, „da es dort draußen eindeutig eine Nachfrage gibt, auf die wir reagieren müssen“, sagte sie bei ihrem ersten großen Auftritt im Dezember. Sogar eine Krypto-Taskforce hat die EZB formiert. Die Entwicklung schreite schnell voran, „nicht so sehr im Bitcoin-Segment, aber bei den Stablecoin-Projekten“, also bei virtuellen Währungen mit festen Wechselkursen, sagte Lagarde. Vor allem eine sei bereits auf dem Weg. Wohl eine Anspielung auf Facebooks geplante Digitalwährung „Libra“-Coin. 

Damit experimentieren nun das weltgrößte soziale Netzwerk und die zweitwichtigste Notenbank der Welt mit eigenen Coins. Das adelt sie quasi. Auch andere bekannte Adressen aus der Finanzwelt sind längst im Versuchslabor. Die Commerzbank und der Autoherstellern Daimler wollen den Euro auf die Blockchain bringen. Lkws könnten so an der Zapfsäule „selber“ bezahlen. Der deutsche Automobilkonzern ist eines der ersten Unternehmen weltweit, das die neue Technologie bereits für ein Finanzierungsprojekt getestet hat. 2017 haben die Stuttgarter erstmals einen Schuldschein über 100 Millionen Euro per Blockchain platziert. Auch andere Unternehmen wie beispielsweise Telefónica testen die Blockchain für Finanzierungsvorhaben. „Aufgrund gesetzlicher Vorschriften lässt sich die digitale Technologie bisher zwar nur parallel zum regulatorisch vorgeschriebenen Emissionsprozess einsetzen“, so die Deutsche Bank. „Doch sobald der Weg frei ist, könnten größere Unternehmen dazu übergehen, strukturierte Finanzierungen oder Kapitalmarktemissionen komplett per Blockchain abzuwickeln.“ Chancen für mehr Effizienz per Blockchain gibt es darüber hinaus auch im Zahlungsverkehr, im Wertpapierhandel oder im grenzüberschreitenden Warenverkehr. 

Blockchain-Anleihe auf dem Weg 

Sogar die Bundesregierung hat mittlerweile eine Blockchain-Strategie, die sogar einen Gesetzentwurf für Anleihen auf Blockchain-Basis vorsieht. Wortwörtlich heißt es da: „Die Bundesregierung will das deutsche Recht für elektronische Wertpapiere öffnen. Die aktuell zwingende Vorgabe der verbrieften Verkörperung von Wertpapieren (das heißt in Papierform) soll nicht mehr uneingeschränkt gelten.“ Die Blockchain-Anleihe dürfte also in absehbarer Zeit kommen. Die blockchainbasierte Aktie vielleicht auch? 

Erste Anbieter sind bereits am Start, um Handelsplätze für solche wertpapierähnlichen „Security Token“ zu betreiben, beispielsweise die Börse Stuttgart mit ihrer Privatkunden-App „Bison“ und ihrem Profimarktplatz BSDEX. Auch die Deutsche Börse arbeitet an entsprechenden Projekten. Es sind also immer öfter etablierte Adressen, die an dieser Technologie und dem sich schnell entwickelnden Security-Token-Ökosystem mitarbeiten. Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center, prognostiziert in einer aktuellen Studie sogar, in fünf bis zehn Jahren werde „jede Aktie, jeder Genussschein und generell jedes Wertpapier auf einem Blockchain-System laufen.“ 

Eine Revolution, die nicht mehr aufzuhalten scheint, und die nächste große Herausforderung für die Finanzindustrie. 

Wie man einige Prozent seiner Anlage auf diesen Zukunftstrend ausgerichtet investieren kann und wie es um Chancen und Risiken bestellt istkönnen wir gern im individuellen Beratungsgespräch besprechen. Gern bin ich für Sie da! 

*) Erschienen ist dieser Artikel am 03.02.2020, veröffentlich von CAPInside. Der Originalartikel stammt von Jessica Schwarzer (Asset Allocation & Investment Strategien).